21.11.2014 Grußwort zu „FAM²TEC – Mehr Frauen in MINT“

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

anbei können Sie mein Grußwort an der FH Münster zum Projekt „FAM²TEC – Mehr Frauen in MINT“ und den Link zur Pressemitteilung der FH Münster finden und lesen:

https://www.fh-muenster.de/hochschule/aktuelles/pressemitteilungen.php?pmid=6383

 

Sehr geehrte Frau Prof. Dr. von Lojewski,

Sehr geehrter Herr Schulte-Hemming,

sehr geehrter Herr Prof. Dr. Jürgen Scholz,

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

ich freu mich sehr, Ihnen heute ein Grußwort aus dem Landtag NRW überbringen zu dürfen.

Gestern ist in Berlin durch Herrn Bundespräsidenten Joachim Gauck der Deutsche Zukunftspreis verliehen worden.

Die Preisträger kommen – leider – nicht aus NRW und sind für ihre Forschung zur Gewinnung an Fleisch- und Milchalternativen durch Lupineneiweiß ausgezeichnet worden. Die Preisträger sind Peter Eisner und Stephanie Mittermaier vom Fraunhofer Institut für Verfahrenstechnik in Freising und Katrin Petersen von der Prolupin GmbH in Grimmen.

Damit sind neben Herrn Eisner zwei Frauen mit dem Deutschen Zukunftspreis ausgezeichnet worden.

Ich denke wir freuen uns gemeinsam für den Preisträger und die Preisträgerinnen und könnten nun zur Tagesordnung übergehen, wenn es nicht auch noch im Jahr 2014 eine Besonderheit wäre, dass gerade Frauen aus den naturwissenschaftlichen und technischen Fächern geehrt wurden.

Aber warum ist das so?

Noch immer ergreifen wenige – viel zu wenige – junge Frauen eine Ausbildung oder Studium in den sog. MINT – Fächern.

Allein schon die rein ökonomische Vernunft – Stichwort Fachkräftemangel – gebietet eine Steigerung der weiblichen Fachkräfte im MINT – Bereich. Am deutlichsten wird der Mangel an weiblichen Fachkräften im Bereich des Ingenieurwesens, der Informatik und der Elektrotechnik.

Sind Frauen zu dumm, diese Studiengänge zu ergreifen?

Die Frage ist rein rhetorischer Natur – ich glaube, keiner hier im Raum würde diese Frage bejahen.

Woran liegt es also, dass junge Frauen diese Studiengänge nicht ergreifen?

Die jungen Frauen entscheiden sich nicht vorrangig gegen die Aufnahme eines solchen Studiums, sondern sie entscheiden sich vorrangig nicht dafür, da auch heute noch das Klischee vorherrscht, es handele sich um reine „Männerberufe“. Und genau hier gilt es anzusetzen.

Das Land NRW hat 2013 beschlossen, sich dem Pakt „Komm mit mach MINT“ anzuschließen. Das Programm, das durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird und über 100 Partner aus Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Medien hat, setzt in den Übergangsphasen von der Schule u. a. ins Studium an.

Denn viele junge Frauen haben überhaupt keine Vorstellung, was von ihnen in den MINT – Studiengängen erwartet wird und was sie für ihre persönliche und berufliche Zukunft erwarten können.

Allein eine Studie zu dem Online – Tool „StudiFinder“ hat gezeigt, dass eine Studienorientierung, die nur auf Interesse ausgerichtet ist, die bestehenden Geschlechterstereotypen verstärkt. Geht man hingegen von den Fähigkeiten aus, verschwindet der Unterschied zwischen den Geschlechtern.

Und genau da müssen wir gemeinsam ansetzen.

NRW will die Fähigkeiten der jungen Frauen stärken.

Mit der Initiative „Zukunft durch Innovation. NRW (zdi)“ wollen wir mehr Durchlässigkeit und Talentförderung in den MINT – Fächern erreichen. Bereits heute bestehen 42 zdi – Netzwerke und 24 zdi – Schüler/innen Labore in ganz NRW zur Verfügung.

Damit erreichen wir rund 300.000 junge Menschen jährlich für die MINT Bereiche zu begeistern.

Aber warum betreiben wir eigentlich diese Kraftanstrengungen? Mit den Klischees der typischen Frauen – und Männerberufe lässt es sich doch gut leben.

Nein, ich habe es schon erwähnt. Gerade die Wirtschaft ist auf gut ausgebildete Fachkräfte dringend angewiesen.

Nicht allein vor dem viel beschworenen demographischen Wandel, ist es von erheblicher Bedeutung, dass Frauen die MINT – Fächer für sich entdecken.

Es ist auch eine erhebliche Chance für die Wirtschaft, denn Frauen im Betrieb, das belegen Studien, führen u. a. zu einem produktiveren Klima. Dass dies auch für Frauen in Führungspositionen gilt, ist ein noch ganz anderes Thema.

Wir hier in NRW und gerade in Westfalen sind stark im Maschinenbau, Anlage- und in der Elektrotechnik. Europaweit zählt unsere Region die meisten „Hidden Champions“. Gerade die mittelständischen Unternehmen sind die Motoren unserer Wirtschaft. Viele haben bereits erkannt, dass Familienfreundlichkeit kein Hemmnis für den wirtschaftlichen Erfolg ist, sondern ein Faktor für den Erfolg.

Einige müssen dies noch erkennen…

Und Familienfreundlichkeit fängt nicht erst im Berufsleben an, sondern bereits an den Hochschulen unseres Landes. Daher muss das Motto auch heißen: Vereinbarkeit von Familie, Studium und Beruf!

Das muss gelebt werden und vorgelebt werden. Vorleben können Vorbilder. Und deswegen ist es so wichtig, dass Wissenschaftlerinnen aus den MINT – Bereichen sich bereit erklärt haben, an dem Projekt FAM²TEC als Mentorinnen zur Verfügung zu stehen.

Die Begeisterung für Technik bei jungen Frauen zu wecken und diejenigen, die diese Begeisterung zu ihrem Beruf gemacht haben, hat das Projekt FAM²TEC vereint.

Dafür sage ich – herzlichen Dank – und spreche – so hoffe ich – für alle Parlamentarier und Parlamentarierinnen im Landtag NRW.

Ich wünsche mir, dass dieses Projekt Strahlkraft auf das gesamte Land entfaltet, Nachahmer findet und nachhaltig – vielleicht über die Region hinaus – wirkt.

Herzlichen Dank und Glück auf!